Kostensenkung ist nicht das wichtigste Kriterium für die Entscheidung pro Open Source

Red Hat, seit 2019 eine IBM Company, hat eine Marktforschung beauftragt zu der 950 IT Führungskräfte in den USA, Großbritanien, Südostasien und Lateinamerika befragt wurden. Demnach gaben 95% der Befragten an, daß sie frei lizenzierte, einfach weiterzugebende und an eigene Bedürfnisse anpassbare Programme für eine wichtige Komponente einer Infrastruktur-Softwarestrategie ansehen. Noch vor 5 Jahren war die von den befragten Unternehmen genutzte Software zu 55% proprietär. Dieser Anteil ist laut dem aktuellen Bericht “The State of Enterprise Open Source” auf 42% zurückgegangen. In zwei Jahren erwarten die Befragten einen Anteil von 32%.

Das ist Open Source

Open Source heißt wörtlich übersetzt “quelloffen” und beschreibt damit eine wichtige Eigenschaft: Die Quelltexte sind frei verfügbar und für jeden einsehbar. Unabhängige Dritte können somit nachverfolgen, wie beispielsweise eine App oder ein Programm arbeitet und was sie während des Betriebs tatsächlich tut.

So kann die Funktionsweise jederzeit von unabhängigen Fachleuten überprüft werden. Daher genießt die App, das Programm ein großes Vertrauen in der Privacy-Community. Häufig nehmen Entwickler*innen von quelloffener Software den Datenschutz sehr ernst und legen einen Fokus auf Sicherheit und Privatsphäre.

Die Quellenoffenheit ist der entscheidende Unterschied zu sogenannter proprietärer Software. Das ist Software, deren Quelltexte geheim sind, wie beispielsweise beim beliebten Messenger WhatsApp. Niemand kann genau überprüfen, wie die Anwendung während des Betriebs auf dem Smartphone arbeitet. Das ist ein Betriebsgeheimnis. Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung vermitteln häufig nur eine Ahnung dessen, was im Hintergrund passiert.

Neben der Offenlegung des Codes zeichnet sich Open-Source-Software durch weitere Eigenschaften aus, die in Lizenzen festgelegt sind. Bei diesen Eigenschaften wird auch von Freiheiten gesprochen, die zwischen dem oder der Autor*in des Programms und den Nutzer*innen vereinbart sind:

Die Freiheiten sind:

  • die Software darf ohne Einschränkungen benutzt werden,
  • der Quellcode der Software muss verfügbar sei, um studiert werden zu können,
  • die Software darf ohne Einschränkungen kopiert und ohne Zahlungsverpflichtungen weitergegeben werden,
  • sie darf verändert und in veränderter Form weitergegeben werden.

Es gibt zahlreiche Open-Source-Lizenzen, die sich mitunter stark voneinander unterscheiden. Die vier genannten Punkte beschreiben übereinstimmende Freiheiten. Zu den bekanntesten Lizenzen gehören die GNU General Public License (GPL), die Berkeley-Software-Distribution-Lizenz (BSD) und die Apache-Lizenz.

Quelloffene und proprietäre Software haben gemeinsam, dass sie von Copyright oder Urheberecht Gebrauch machen. Jedoch sind in den Lizenzen die oben aufgeführten Nutzungsfreiheiten festgeschrieben. Ebenso sind Open-Source-Angebote nicht zwingend kostenlos. Apps können Geld kosten oder es wird ein Entgelt für Vervielfältigung oder für Zusatzangebote erhoben.

Beginn und Philosophie

Der Begriff Open Source kam erstmals 1998 auf. Davor wurde von „freier Software“ gesprochen, die im Zuge einer Freien-Software-Bewegung seit den 1980er-Jahren bekannt wurde. Freie Software galt als Gegengewicht zu Anwendungen mit stark beschränkten Lizenzen und geheimen Quelltexten von Software-Giganten wie z.B. Microsoft, die ab Ende der 1970er Jahre den Markt dominierten.

Ein wichtiger Schritt innerhalb der Freien-Software-Bewegung war die GNU General Public License (GPL). Sie wurde im Rahmen des Projektes um das Betriebssystem GNU Mitte der 1980er-Jahre aufgesetzt. Die Lizenz schrieb erstmals bewusst spezifische Freiheiten zwischen Autor*in und Nutzer*in fest.

Davor gab es nur die Berkeley-Software-Distribution-Lizenz (BSD), die von der gleichnamigen kalifornischen Universität stammt. Diese Lizenz wurde für ein auf UNIX basierendes Betriebssystem verwendet. Beide Lizenzen sind bis heute Grundlage vieler Open-Source-Lizenzen.

Der mittlerweile populäre Begriff Open Source wird jedoch auch kritisiert: „Freie Software verfolgt eine politische Philosophie, Open Source ist eine Entwicklungsmethodologie”, sagte Richard Stallman, Gründer des GNU-Projektes und der Free Software Foundation. Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass “quelloffen” nicht zwingend “frei” bedeutet. Anwendungen können auch als Open Source gelten, wenn die Quellcodes einsehbar, jedoch nicht veränderbar ist.

Vor- und Nachteile des Konzepts

Vorteile

  • Unabhängigkeit: Open-Source-Systeme machen Nutzer*innen unabhängig von einem bestimmten Hersteller. Da der Quellcode offen ist, kann jede*r diesen einsehen, Fehler in der Anwendung oder bei Sicherheitsvorkehrungen offenlegen und beheben. Dazu stellen Entwickler*innen ihre Quelltexte auf Plattformen wie GitHub oder GitLab bereit.
  • Möglichkeit zur Mitarbeit: Wer etwas zur Entwicklung beitragen möchte, kann Fehler melden, Anmerkungen machen oder nach offenen Problemen suchen. Darüber hinaus haben etablierte Open-Source-Projekte eigene Websites, auf denen das Projekt verwaltet wird und Möglichkeiten zur Mitarbeit bestehen.
  • Schwarmintelligenz: Engagieren sich viele durch eigenständiges Schreiben oder mit Hinweisen, können Fehler schneller gefunden und behoben sowie Anwendungen kontinuierlich optimiert werden.

Nachteile

  • Kümmert sich nach der ersten Entwicklung niemand mehr um eine Anwendung, kann diese schnell veralten, schlecht funktionieren oder unnötige Berechtigungen enthalten.
  • Es gibt häufig weder Garantien noch einen klassischen Support bei Open-Source-Angeboten. Hier kann jedoch die Community helfen.
  • Ein ideeller Nachteil von quelloffener Software ist, dass freie Software oder Teile davon von Firmen auch für geschlossene und kommerzielle Anwendungen genutzt werden kann, wie beispielsweise bei Android.



Open Source hat viele Gesichter

Über die Jahrzehnte ist dank ehrenamtlicher Programmierer*innen und gemeinnütziger Organisationen ein großes Angebot an Open-Source-Software entstanden. Bekannte Anwendungen wie der Browser Mozilla Firefox sind quelloffen.

Googles Browser Chrome ist nicht quelloffen. Lediglich ein Teil des Codes wird im Rahmen des Google-Projekts „Chromium Open Source“ veröffentlicht. Daran arbeiten Google-Mitarbeiter*innen sowie externe Unternehmen und Entwickler*innen.

Auch das Betriebssystem Android gilt als Open Source, weil es auf quelloffenen Komponenten basiert. Seit 2005 gehört die Marke Android dem Google-Konzern, der die Entwicklung bestimmt. Google macht Teile des Codes im Rahmen des „Android Open Source Project“ verfügbar, bestimmte Funktionen und Google-Dienste sind davon aber ausgeschlossen.

Der Anteil der eingesetzten Open-Source-Software liegt derzeit aktuell bei 36%, soll aber binnen zwei Jahren auf 44% steigen. Derzeit geben 52% der befragten IT-Experten an, dass Software mit offenem Quellcode zu 52% für Sicherheitsanwendungen genutzt wird, dicht gefolgt von Werkzeugen fürs Cloud-Management mit 51%, Datenbanken zu 49%, 47% für Big-Data-Anwendungen und ähnliche Analysen.

Freie Software wird nicht mehr hauptsächlich als Option betrachtet, Kosten zu senken. Auf die Frage nach den treibenden Faktoren für die Nutzung nannten 33% der Teilnehmer eine höhere Softwarequalität. Niedrigere “Total Cost of Ownership” (TCO) führten 30%, bessere Sicherheit 29% an.

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